Nachhilfe bei Frau Keller Teil 132
Nächster Tag – Vormittag am Pool
Nach dem Frühstück auf der Terrasse ihres Zimmers – frisches Obst, starker Kaffee und der Blick aufs türkisfarbene Meer – gingen die drei wieder hinunter zum Pool. Die Sonne stand bereits hoch, die Luft war warm und feucht. Sie suchten sich dieselben Liegen wie am Vortag, etwas abseits, aber mit gutem Überblick.
Anna und Nina legten sich auf den Bauch, die Bikini-Bänder gelöst, damit keine weißen Streifen entstanden. Jonas streckte sich daneben aus, die Sonnenbrille im Gesicht, und blätterte in einem Buch, ohne wirklich zu lesen.
Gegen halb elf kam ein Mitarbeiter auf sie zu. Es war nicht derselbe wie am Vorabend, sondern ein anderer – ebenfalls groß, dunkel, mit sehr ruhigen Bewegungen und einem freundlichen, aber prüfenden Blick. Er trug die übliche schwarze Hotelhose und ein eng sitzendes Polo-Shirt.
„Good morning“, sagte er und blieb vor ihren Liegen stehen. „I just wanted to ask: Today we have water polo at the main pool around noon, if you’re interested. Or… if you prefer something quieter, we have a special on massages this afternoon. Twenty percent off. Couple massages or single. Very good therapists.“
Seine Augen huschten kurz über Annas nackten Rücken, dann über Ninas. Nicht aufdringlich, aber bewusst.
Anna drehte den Kopf zur Seite und stützte das Kinn auf die Hand. „Massages sound interesting. What kind?“
„Deep tissue, relax, or… more oil, longer sessions. Whatever you prefer.“ Er lächelte knapp. „I can reserve two spots for you, if you like. Around four o’clock?“
Nina sah Anna an. Ein stilles Einverständnis ging zwischen ihnen hin und her. Anna nickte langsam.
„Two massages. For us.“ Sie deutete auf sich und Nina. „At four.“
„Perfect.“ Der Mitarbeiter notierte etwas auf seinem kleinen Block. „Names?“
„Anna and Nina.“
Er schrieb es auf, dann hob er den Blick wieder. „And for you, sir?“
Jonas schüttelte den Kopf und lächelte höflich. „I’ll rest in the room. Maybe later.“
„As you wish.“ Der Mann nickte allen dreien zu, sein Blick blieb noch einen Moment bei den beiden Frauen hängen, bevor er sich abwandte und weiterging.
Als er außer Hörweite war, drehte sich Nina auf die Seite und grinste Anna an. „Massagen um vier. Allein.“
Anna lachte leise und streute etwas Sand von der Liege. „Ja. Und er hat uns beide sehr genau angeschaut, als er das Angebot gemacht hat.“
Jonas setzte die Sonnenbrille etwas hoch. „Natürlich hat er das. Ihr liegt hier halb nackt und strahlt ‚wir sind offen‘ aus. Das merkt man.“
Anna streckte eine Hand aus und streichelte über seinen Unterarm. „Du willst dich wirklich ausruhen?“
„Ja.“ Jonas legte die Hand auf ihre. „Fürs Erste. Ich bin gespannt, was ihr mir hinterher erzählt. Und ob die Massage… nur eine Massage wird.“
Nina biss sich auf die Unterlippe und drehte sich wieder auf den Bauch. „Ich bin schon jetzt nervös. Auf die gute Art.“
Anna schloss die Augen und ließ die Sonne auf ihren Rücken scheinen. „Wir gehen hin. Wir schauen, wie es sich anfühlt. Und danach erzählen wir dir alles.“
Jonas lehnte sich zurück und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Das will ich auch hoffen.“
Der Vormittag verging langsam und warm. Sie schwammen, lagen in der Sonne, ließen sich kühle Getränke bringen und sprachen über belanglose Dinge – und zwischendurch immer wieder über die bevorstehende Massage. Die Spannung war leiser als am Vorabend, aber sie war da. Eine andere Art von Vorfreude.
Gegen halb drei stand Jonas auf, küsste zuerst Anna, dann Nina und sagte: „Ich geh hoch. Schreibt mir, wenn ihr fertig seid.“
Die beiden Frauen sahen ihm nach, bis er in Richtung Zimmergebäude verschwunden war. Dann sahen sie sich an.
„Bereit?“, fragte Anna leise.
Nina atmete einmal tief durch und nickte. „Bereit.“
Um kurz vor vier standen sie auf, zogen sich die dünnen Pareos um und gingen Richtung Spa-Bereich des Hotels. Die Vorfreude war still, aber deutlich spürbar.
Was genau sie dort erwarten würde, wussten sie noch nicht.
Aber beide spürten, dass der Nachmittag anders werden könnte als nur eine gewöhnliche Massage.