Nachhilfe bei Frau Keller Teil 113
Nach dem Yoga-Kurs – Umkleide....
Der Kurs war zu Ende. Die meisten Frauen hatten sich bereits umgezogen und waren gegangen. In der Umkleide hing noch die warme, leicht feuchte Luft von den Körpern und den Matten. Anna stand an ihrem Spind und streifte das Sport-Top über den Kopf, als Nina neben sie trat.
Nina hatte die Haare noch zu einem lockeren Dutt gebunden, ein paar feuchte Strähnen klebten an ihrem Hals. Sie lächelte Anna an – dieses besondere Lächeln, das seit ihrem gemeinsamen Abend eine neue Bedeutung bekommen hatte.
„Hey“, sagte Nina leise und öffnete ihren Spind. „Du warst heute wieder… präsent.“
Anna lachte leise und warf ihr einen schrägen Blick zu. „Liegt wohl an der Gesellschaft.“
Sie zogen sich in angenehmer Stille um. Zwischendurch streiften sich ihre Blicke. Als nur noch zwei andere Frauen im Raum waren, die sich aber nicht für sie interessierten, trat Anna einen Schritt näher.
„Hast du Lust, dich bald wiederzutreffen?“, fragte sie. „Diesmal… vielleicht etwas länger.“
Nina schloss ihren Spind und lehnte sich mit der Schulter dagegen. „Ja. Definitiv. Ich hab seit unserem Abend öfter an dich gedacht.“
Anna spürte ein warmes Ziehen in der Magengegend. Sie senkte die Stimme.
„Ich auch. Und ich wollte dich etwas fragen.“ Sie zögerte kurz, suchte Ninas Blick. „Wie wäre es, wenn Jonas dieses Mal mitkommt?“
Nina blinzelte. Für einen Moment sagte sie nichts. Ihre Finger spielten nervös mit dem Reißverschluss ihrer Tasche.
„Jonas… also dein Freund“, wiederholte sie langsam. „Zu dritt.“
„Ja.“ Anna blieb ehrlich und ruhig. „Nur wenn du dich damit wohlfühlst. Du kannst jederzeit Nein sagen. Oder wir treffen uns weiter nur zu zweit. Aber ich wollte dich fragen, weil… du gesagt hast, dass du neugierig bist.“
Nina biss sich auf die Unterlippe. Man sah ihr an, dass sie mit sich rang. Interesse und Unsicherheit lagen gleichzeitig in ihrem Gesicht.
„Ich bin mir nicht sicher“, gab sie offen zu. „Der Gedanke macht mich nervös. Ich hab so etwas noch nie gemacht. Und ich weiß nicht, wie ich mich fühlen werde, wenn plötzlich ein Mann dabei ist.“
Anna nickte verständnisvoll. „Das ist okay. Ehrlich. Du musst nichts entscheiden, nur weil ich gefragt habe.“
Nina sah sie eine Weile an. Dann sagte sie leiser: „Aber… ich bin auch neugierig. Sehr sogar. Seit du das im Café angesprochen hast, geht mir der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf. Wie es wäre. Dich zu küssen, während er zusieht. Oder… mehr.“
Ihre Wangen waren leicht gerötet. Sie schaute kurz zu Boden, dann wieder zu Anna.
„Ich würde es ausprobieren wollen“, sagte sie schließlich. „Aber langsam. Und mit der Möglichkeit, jederzeit aufzuhören, wenn es mir zu viel wird.“
Anna lächelte erleichtert und warm. „Genau so. Kein Druck. Kein Muss. Nur wenn es sich für dich richtig anfühlt.“
Nina atmete tief aus und nickte. „Dann… ja. Ich mache mit. Weil ich neugierig bin. Und weil ich dich will. Auch wenn er dabei ist.“
Die letzten beiden Frauen verließen gerade die Umkleide. Für einen kurzen Moment waren sie allein. Anna trat noch einen Schritt näher und strich Nina eine feuchte Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Danke, dass du so ehrlich bist“, flüsterte sie. „Schreib mir, wann du Zeit hast. Wir finden etwas, das sich gut anfühlt.“
Nina hielt ihre Hand einen Moment fest. „Mach ich. Und Anna… ich freue mich. Auch wenn ich aufgeregt bin.“
Anna lächelte. „Ich auch.“
Sie verabschiedeten sich mit einer engen, etwas längeren Umarmung. Als Anna die Umkleide verließ, spürte sie das vertraute Kribbeln der Vorfreude – gemischt mit der Verantwortung, dass sie Ninas Tempo respektieren wollte.
Später am Abend bei Jonas
Anna kam nach Hause und erzählte Jonas von dem Gespräch in der Umkleide. Er hörte aufmerksam zu, während sie sich auf die Couch setzten.
„Sie ist unsicher, aber neugierig“, fasste Anna zusammen. „Und sie hat zugesagt. Unter der Bedingung, dass sie jederzeit stoppen kann.“
Jonas nickte und zog sie an sich. „Das klingt fair. Und richtig. Dann gehen wir genau so rangehen – vorsichtig, ehrlich und mit viel Aufmerksamkeit für sie.“
Anna kuschelte sich an seine Brust. „Ich will, dass sie sich sicher fühlt. Und ich will gleichzeitig, dass du dabei bist. Beides.“
Jonas küsste ihren Scheitel. „Dann wird es ein guter nächster Schritt. Für uns alle drei.“
Die Entscheidung war gefallen.
Das erste Treffen zu dritt mit Nina war beschlossen.
Und die Vorfreude – gemischt mit Respekt und leichter Anspannung – lag bereits spürbar im Raum.